Eine Kölnerin in Düsseldorf

Düsseldorf Kö

Wenn man als Imi (dt. Zugezogener) nach Köln kommt und dort hängenbleibt, lernt man einige Dinge sehr schnell. Die Schildergasse vermittelt keinen akkuraten ersten Eindruck von Köln. Es heißt Karneval, nicht Fasching. Ebenso: Alaaf, immer Alaaf. Niemals Helau! Kölsch ist das beste Bier, auch wenn man ursprünglich aus Bayern kommt. Ich trinke gar kein Bier, das ist sowohl in Köln als auch in Bayern nicht wirklich vorteilhaft. Und: Düsseldorf ist doof.

Aber warum eigentlich? Angeblich begann die Rivalität schon im 11. Jahrhundert, als Köln bereits eine wohlhabende Handelsstadt war und Düsseldorf nur ein unscheinbares Dorf. Köln hatte Zoll- und Handelsrechte und so zog wichtige Ware aus Holland auf dem Rhein an Düsseldorf vorbei ins 40 km entfernte Köln. Erst dort konnten dann die Düsseldorfer zu erhöhten Preisen Butter und Stoffe einkaufen. Zu Zeiten der Industrialisierung holte Düsseldorf dann auf und wurde zunächst im 19. Jahrhundert von den Preußen zur Hauptstadt der Rheinprovinz und dann nach dem Zweiten Weltkrieg zur Hauptstadt NRWs gekürt.

Damals wie heute vergleichen sich Düsseldorfer und Kölner wohl gerne und fast ein bisschen erbittert. Damals gings um Butterpreise und die politische Stellung, heute um Bier und kulturelle Events. Ich selbst kann dabei nie so richtig einschätzen, wie ernst es den Kölnern eigentlich wirklich ist, mit ihrem Unmut, wenn es um die Nachbarstadt geht. Es war also höchste Zeit, dass ich mir selbst ein Bild von Düsseldorf machte.

Ende Mai bot sich dann plötzlich die Gelegenheit: Willige Babysitter und ein cooler Hotel-Deal ermöglichten mir und meiner Frau ein ganzes kinderfreies Wochenende. Nun wird es sicher nicht überraschen, dass Sightseeing und die Recherche zu einer jahrhundertealten Fehde an unserem ersten Wochenende ohne Kind nicht unbeding im Mittelpunkt standen. Ausschlafen, Zweisamkeit genießen und Essen gehen, ohne darauf achten zu müssen, dass der Nachwuchs am Nachbartisch nichts von den Tellern klaut – das waren die Prioritäten. Dennoch haben wir Düsseldorf ein wenig erkundet und das ist mir dabei aufgefallen:

1. Der Medienhafen ist ganz schön cool.

Der Medienhafen ist ein ziemlich skurriles Konstrukt. Offensichtlich hat sich Düsseldorf aus anderen europäischen Städten seine Lieblingsgebäude rausgepickt und hier hingestellt. Guckt man in die eine Richtung, sieht es ein bisschen aus wie in Barcelona, dreht man sich um, wirkt es eher wie Hamburg. Ein bisschen weiter nach links ist man in Brüssel, etwas weiter rechts in Prag. Seltsam, aber ich mag solche Architektur-Mixereien. Ein weiterer Vorteil vom Medienhafen: Für Touristen ist er das ideale Basislager. Restaurants, Kino, Hotels, Rhein – alles da.

Düsseldorf Medienhafen

2. An der Rheinuferpromenade kann man gut flanieren – oder joggen.

Die Düsseldorfer Rheinuferpromenade verbindet den Medienhafen mit der Altstadt. Hier kann man sehr schön am Rhein entlangspazieren oder sich in eins der Cafés setzen. Da ich das Laufen gerade wieder für mich entdeckt habe, bin ich mit hochrotem Kopf an den flanierenden Menschen vorbeigehechelt. Geht hier auch prima. Ich finde es immer lobenswert, wenn eine Stadt am Fluss diesen Umstand gekonnt ausnutzt. Gut gemacht, Düsseldorf! Köln kann das allerdings auch. Egal ob an der kölschen Riviera in Rodenkirchen oder auf dem Rheinboulevard in Deutz – dem Rhein kann man auch in Köln näherkommen.

Düsseldorf Rheinuferpromenade

3. Der Düsseldorfer CSD macht mich ein wenig niedergeschlagen.

Als wir in Düsseldorf die Rheinuferpromenade entlangspazierten endeckten wir einige Zelte über denen Regenbogenfahnen wehten. Da wurden wir natürlich sofort aufmerksam. Eine kurze Recherche ergab, dass wir zufällig am CSD-Wochenende in Düsseldorf gelandet waren. Yay! Auf kurze Freude folgte jedoch Verwirrung. In der Innenstadt konnten wir weder Drag Queens noch Lack und Leder entdecken. Keine ausgelassenen Gruppen mit Regenbogenflaggen und Bier, keine Tiermasken, keine Kostüme. Selbst den Umzug hätten wir fast übersehen. Kaum jemand stand an der Straße, um mitzufeiern und Kondome einzufangen. Dafür standen massenweise Leute vor einem Hotel, aus dem ganz vielleicht eventuell Paul McCartney herauskommen sollte. Da bin ich von Köln anderes gewohnt.

Düsseldorf CSD

Fazit: Düsseldorf ist in Ordnung. Eine schöne Stadt für einen Kurztrip, die es definitiv nicht verdient hat, aus Prinzip verachtet zu werden. Aber um es mit cat ballous Worten zu sagen: Et jitt kei Wood, dat sage künnt, wat ich föhl, wann ich an Kölle denk. Köln ist meine Heimat und – und das mein ich ganz subjektiv – nicht nur besser als Düsseldorf, sondern die beste Stadt der Welt. Deswegen bin ich im Köln-Düsseldorf-Disput wohl leicht parteiisch. Ich würde trotzdem nochmal nach Düsseldorf reisen.

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Alex

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Hallo, ich bin Alex! Online-Redakteurin und Reisebloggerin, frische Mama und glückliche Ehefrau, Wahl-Kölnerin mit bayrischen Wurzeln, von Dauer-Fernweh geplagt und doch immer wieder gern zu Hause. Ich erkunde die Welt am liebsten mit meiner Frau und unserem kleinen Sohn. Herzlich willkommen auf meinem Reiseblog!

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