Wie sich Sydney anfühlt

Sydney bei Nacht

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr eine unbekannte Stadt betretet und sofort spürt, dass ihr hier leben könntet? Ich hatte dieses Gefühl, als ich vor kurzem das erste Mal Sydney betrat. Schon der Weg von der Central Station zum fünf Gehminuten entfernten Hostel war bezaubernd. Warum? Das in Worte zu fassen will ich in diesem Beitrag versuchen. Ich bin gespannt, ob es mir gelingt. Rein rational gibt es überhaupt keinen Grund, warum man sich in Sydney (oder irgendwo) sofort so wohl fühlen sollte.

Um Verwirrungen und Missverständnisse zu vermeiden: Es geht mit in diesem Beitrag um folgendes Gefühl:

„Was für eine wundervolle Stadt, hier würde ich gerne leben, den Wocheneinkauf machen,
abends mit Freunden im Park sitzen und morgens wieder zur Arbeit laufen.“

Nicht um dieses:

„Was für ein außergewöhnlicher Ort! Ich kann überhaupt nicht genug Fotos machen,
weiß nicht, welche Sehenswürdigkeit ich zuerst besichtigen soll und will auf jeden Fall nochmal wiederkommen!“

Sydney Skyline

Sydneys Skyline – Ein kleiner Ausschnitt

Naheliegende Argumente für die Anziehungskraft einer solchen Stadt wären für mich ein außergewöhnliches Stadtbild, bemerkenswerte Begegnungen oder ein persönlicher Bezug. Allerdings scheint keiner dieser Erklärungsversuche so richtig zu greifen.

  1. Sydney hat keine außergewöhnliche Architektur, kein in seiner Gesamtheit beeindruckendes Stadtbild, das Neulinge sofort fasziniert. Keine atemberaubenden Hochhäuser, keinen mittelalterlichen Stadtkern, keinen prägenden Fluss. Zudem habe ich mich hier schon wohlgefühlt, bevor ich überhaupt die Oper, die Harbour Bridge oder gar den Bondi Beach erblickt hatte.
  2. Ich hatte kaum erwähnenswerte Interaktionen mit Sydneysidern. Keine spontanen Konversationen, keine ungewöhnlichen Zusammentreffen – nichts, was mir als ein Argument für die außergewöhnlichen oder einnehmenden Bewohner dieser Stadt dienen könnte.
  3. Ich habe keinerlei Verbindungen zu dieser Stadt. Keine Familie, die hier lebt, keine Erinnerungen, die ich mit dieser Stadt verknüpfe, und keinen Traum-Job, aufgrund dessen es mich hierhin verschlagen hat. Ich wollte nach unserer Neuseelandreise nicht einmal unbedingt hier hin – es bot sich nur an.
Sydney Vogelkäfige

Hintergassen-Kunst in Sydney

Wenn es also keine logischen Argumente für meine heimischen Gefühle in dieser mir unbekannten Stadt gibt, muss ich wohl weniger offensichtliche Erklärungsversuche starten.

  1. Sydney kombiniert auf ganz wundervolle Art Großstadtflair mit einem gemächlichen, freundlichen Charme, der unter anderem den lächelnden Gesichtern in den Straßen und den schönen Parks zu verdanken ist. Und der verlockenden Möglichkeit, jederzeit in den nächsten Bus zum Strand zu steigen.
  2. Ein angenehmner und irgendwie befreiender Mix aus Einheimischen und Touristen jeglicher Herkunft, Größe, Alters, Geschlechts und Lebenswegs füllt Sydneys Straßen. Sydney ist sicher nicht die einzige Großstadt, in der dieses Phänomen zu beobachten ist. So ausgewogen und unaufdringlich habe ich es aber noch nirgendwo erlebt.
  3. Ich kann mich in dieser Stadt leben sehen. Als ich mit meiner Frau durch Sydneys Straßen spaziert bin, hab ich kleine Restaurants entdeckt, in denen ich gern essen gehen würde – mehr als einmal. Ich saß auf Parkbänken, zu denen ich gerne immer wieder zurückkehren würde. Ich stand abends auf der Harbour Bridge und wollte diesen Ausblick nicht nach einem Abend schon wieder aufgeben. Und ich wollte weiterlaufen, immer weiter durch die Straßen laufen. Natürlich nicht am Stück – am Ende der täglichen Entdeckungstouren habe ich es nicht mehr ohne viel Ningeln in Hostel geschafft – aber immer ein bisschen, an vielen Tagen.
Sydney Botanischer Garten

Feierabendbank im Botanischen Garten

So richtig zufrieden bin ich nicht, mit meinen Erklärungsversuchen. Die drei Punkte tragen ganz entscheidend zum wohligen Gefühl in Sydney bei, ausreichend beschrieben ist es damit aber nicht. Vielleicht ist das Gefühl, wenn man sich in einer fremden Stadt ganz plötzlich zu Hause fühlt, zu individuell und zu irrwitzig, um es in Worte zu fassen. Ein schönes Gefühl ist es trotzdem. Eine Art Kombination aus Heimweh und Fernweh, die einen ganz sehnsüchtig und geborgen zugleich fühlen lässt. Und wer weiß? Vielleicht bietet sich eines Tages die Gelegenheit und ich mache Sydney wirklich für einige Zeit zu meiner Heimat.

Wart ihr auf euren Reisen schon einmal in einer Stadt, in der ihr euch sofort heimisch gefühlt habt?

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Alex

Alex

Hallo, ich bin Alex! Online-Redakteurin und Reisebloggerin, frische Mama und glückliche Ehefrau, Wahl-Kölnerin mit bayrischen Wurzeln, von Dauer-Fernweh geplagt und doch immer wieder gern zu Hause. Ich erkunde die Welt am liebsten mit meiner Frau und unserem kleinen Sohn. Herzlich willkommen auf meinem Reiseblog!

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